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Bis dahin war es einzelnen ArbeitnehmerInnen beinahe unmöglich auf rechtlicher Basis kollektivvertraglich zugesicherte Ansprüche durchzusetzen. So blieb als einziges Mittel, um einen Abschluss und die folgende Einhaltung der Kollektivverträge zu erreichen, oft nur der Streik.

Da aber die Anzahl der abgeschlossenen Kollektivverträge stetig stieg – im Jahr 1909 waren es bereits 570 Verträge für 9.741 Betriebe –, setzte der Staat im Arbeitsbeirat im Jahr 1911 einen Sonderausschuss für Fragen des Kollektivvertrages ein, doch dieser tagte bis zu Kriegsbeginn 1914 nie.

Während des Ersten Weltkrieges galt für kriegswichtige Betriebe das Kriegsleistungsgesetz, das bestehende Kollektivverträge zwar nicht außer Kraft setze, aber es war verboten zu streiken und die UnternehmerInnen ignorierten die Verträge weitgehend. Die Klagen der ArbeiterInnen nahmen zu und der Metallarbeiterverband schlug dem Kriegsministerium vor, eine Beschwerdestelle einzurichten. Am 31. Oktober 1915 eröffnete die erste, 17 weitere folgten.

Noch während des Krieges fand die erste Sitzung der paritätisch besetzen Industriekommission statt, die ein Arbeitsprogramm für zu verabschiedende Sozialgesetze, darunter auch die Errichtung von Einigungsämtern, beschlossen. Am 18. Dezember 1919 folgte das Gesetz „über die Errichtung von Einigungsämtern und über kollektive Arbeitsverträge“.

Den Einigungsämtern wurden drei Funktionen zugewiesen: bei Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis zu vermitteln, bei Differenzen, die aus betriebsrätlichen Tätigkeiten entstehen, als rechtssprechende Organe zu agieren und bei den Abschlüssen von Kollektivverträgen nicht nur mitzuwirken, sondern diese auch zu registrieren und kundzumachen. Das Gesetz regelte u. a. die Kollektivvertragsfähigkeit auf ArbeitgeberInnen- und ArbeitnehmerInnenseite, für wen die Verträge wo wie lange gelten, aber auch, was in den Verträgen festgelegt werden darf. Neben Löhnen und Arbeitszeit konnten nun auch Kündigungsbestimmungen und Vereinbarungen über Arbeitsvermittlung vereinbart werden.

Im Jahr 1921 gab es bereits 2.467 Kollektivverträge, die für 908.000 ArbeitnehmerInnen galten. Heute gibt es rund 860 Kollektivverträge, die für 98 Prozent der unselbstständig Erwerbstätigen gelten.